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Ethik und Ästhetik – ein Luxusproblem?

2. März 2016

Podiumsdiskussion in Berlin mit Designern, Professoren und Unternehmern

Kann Ästhetik ethisch sein? Oder muss sie es sogar? Gibt es faires Möbeldesign? Welche Rolle spielen ökologische und soziale Kriterien bei Wohn-Produkten? Wie wichtig ist Nachhaltigkeit und wie lässt sie sich fördern? Welche Verantwortung tragen Unternehmerinnen und Unternehmer? Was können Kunden mit ihrer Kaufentscheidung bewirken? Interessante Fragen, auf die es verschiedene Antworten, viele kluge Lösungsansätze und auch philosophische Gedankengänge gibt. Vor allem, wenn Professoren, Designer und Marktkenner darüber debattieren.

Design „Made in Austria“ steht für hochwertige Qualität, Nachhaltigkeit und traditionelle Werte. Deshalb stellte der Verband der Österreichischen Möbelindustrie dieses besondere Themenspektrum in den Fokus eines außerordentlichen Branchen-Events am 25. Februar 2016. Unter dem Motto „Ethik und Ästhetik – Ein Luxusproblem?“ drehte sich einen Abend lang alles um Fragen, die im Alltag oft untergehen. „Wir haben ein sehr interdisziplinäres Panel vorbereitet“, machte Dr. Georg Emprechtinger, Vorsitzender der Österreichischen Möbelindustrie und CEO TEAM 7, schon vor der Veranstaltung neugierig. Bei der Diskussion kamen dann eine Designerin und ein Designer, zwei Unternehmer, ein Gerechtigkeitsexperte sowie ein Aktivist zu Wort. Durch die Moderation führte Frau Prof. Katrin Androschin, Professorin für Design an der Fachhochschule Dresden und Geschäftsführerin der Markenagentur Embassy.

Eine hochrangige Diskussionsrunde, deren Themen jede Menge Gesprächsstoff lieferten. Müssen sich z.B. Design und Gebrauchsgüter dem Schönheitsanspruch stellen und ethisch rechtfertigen? Betrachtungen aus philosophischer und soziologischer Sicht gab Prof. Dr. Bernd Wegener von der Humboldt-Universität in Berlin. Er beschäftigt sich als Soziologe seit mehr als 30 Jahren mit Gerechtigkeit und forscht derzeit zum Wohn-Wohlbefinden aus Nutzersicht. Die ökologische und ethische Seite beleuchtete Dr. Günther Reifer, Gründer und Inhaber vom Terra Institute. Er setzt sich für einen unternehmerischen Wertewandel zu sozialer und ökologischer Verantwortung ein und ist u.a. auch Cradle to Cradle Design Consultant. Über wertorientiertes Management wusste Mag. Silvio Kirchmair, als CEO der Umdasch Shopfitting Group, einem der ältesten und größten österreichischen Ladenbau-Unternehmen im Familienbesitz, zu berichten.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Gerechtigkeitskriterien. Welche kann man an Möbel- und Modedesign anlegen? Aus der Warte der Gestaltung beleuchtete Prof. Jacob Strobel diese und weitere Fragestellungen. Er war viele Jahre Designchef von TEAM 7 und lehrt nun als externer Designer an der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg Holzgestaltung, Formenlehre und Entwurf. Einen ganz anderen Bezug stellte Marina Hoermanseder,  österreichische Modedesignerin, her. Sie steht für innovatives aber auch tragbares Design. Unter anderem verwendet sie z.B. ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder für ihre Mode.

Welche Wünsche und Bedürfnisse haben die Konsumenten? Auch in dieser Frage steckte viel Diskussionsstoff. Designexpertin Marion Godau weist z.B. darauf hin, dass Fachjurys mit begehrten Awards zwar klare Statements darüber abgeben, was sie unter gutem Design verstehen, die Verbraucher sich aber oft etwas ganz anderes darunter vorstellen. Dieter Rams, einer der bekanntesten deutschen Produktdesigner, setzt hingegen in seinen „Zehn Regeln für gutes Design“ stärker auf ästhetische Kriterien. Gutes Design sollte demnach auf das nicht mehr Wegzulassende reduziert sein. Aber auch ethische Werte wie Ökologie und Ehrlichkeit sind Teil seiner Definition.

Last but not least wirken sich auch die politischen Rahmenbedingungen auf den Wertewandel aus. So könnten z.B. Herkunftsbezeichnungen für mehr Transparenz sorgen. „Made in Austria“ ist ein Qualitätssiegel – allgemein strengere Kriterien würden es weiter stärken. Möbel aus Österreich verkörpern beispielsweise Werte wie Qualität, Handwerkstradition, Design, Funktionalität, Nachhaltigkeit und Service. Was nicht zuletzt auch den Handel unterstützt und die Kunden zufrieden stellt. Denn niedrige Reklamationsquoten, zuverlässige, termingerechte Lieferungen und die Möglichkeit individuelle Kundenwünsche flexibel und schnell in der Fertigung umzusetzen sind Argumente, die vor allen in Zeiten, in denen Vertrauen und Wohngesundheit gefragt sind, immer wichtiger werden.   

Rund 80 interessierte Zuhörer folgten der Veranstaltung, die nach intensive Fragerunden gemütlich bei einem österreichischen Buffet ausklang.

Eine Veranstaltung der Österreichischen Möbelindustrie in Kooperation mit der Handelsabteilung der Österreichischen Botschaft

 

Auf dem Podium nahmen teil:

Dr. Georg Emprechtinger, Vorsitzender der Österreichischen Möbelindustrie

Prof. Dr. Bernd Wegener, Humboldt-Universität zu Berlin

Dr. Günther Reifer, Gründer und Inhaber Terra Institute

Prof. Jacob Strobel, Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg

Mag. Silvio Kirchmair, CEO Umdasch Shopfitting Group

Marina Hoermanseder, Österreichische Modedesignerin

Prof. Katrin Androschin (Moderation), Professorin für Design an der Fachhochschule Dresden und Geschäftsführerin der Markenagentur Embassy

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