Bei Künstlicher Intelligenz denken viele an Sprachmodelle, an Assistenz zur Erleichterung einzelner Arbeitsschritte oder Tools in der Software-Entwicklung. Einige KI-Pioniere stehen aber bereits vor dem nächsten Level in Richtung Effizienzsteigerung: AI-Manufacturing und -Engineering, weg von der generischen Anwendung hin zur Nutzung für Fertigung und Industrietechnik.
Emmi AI wurde Ende 2024 gegründet bringt sich in einem neuen Feld in Pole Position: Physics AI. 2025 schafft es das österreichische Start-up schon in den „Sifted AI 100 Report“. Jährlich listet das rennomierte Innovationsmagazin Sifted vielversprechende europäische Start-ups, die mit künstlicher Intelligenz das Potenzial haben, Branchen neu zu gestalten. Und das ist Emmi AI gelungen, an der Schnittstelle von KI und Physik. Dabei ist das Start-up inspiriert von Emmy Noether, einer der einflussreichsten Mathematiker:innen und Physiker:innen. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Systeme zu vereinfachen und zu verallgemeinern, legt sie nicht nur den Grundstein für moderne Physik. Ihre Philosophie begeistert und motiviert heute noch und prägt die Herangehensweise und neue Innovationen.
Der Ansatz des österreichischen Unternehmens: Künstliche Intelligenz soll die Regeln der realen Welt erlernen und für industrielle Fertigung nutzbar machen. In KI-Modellen werden physikalische Prozesse wie z.B. Strömungen, Temperaturentwicklungen oder Materialverformungen simuliert. In der Herstellung von Autos, Flugzeugen, Turbinen oder Halbleiter ist das besonders lohnend, denn hier sind Simulationen im gewöhnlichen Prozess sehr aufwändig und können Tage dauern. KI-gestützt werden sie in wenigen Sekunden durchgeführt. In der Automobilindustrie sind zwischen z.B. 50.000 und 100.000 Crashsimulationen erforderlich, bevor ein neues Fahrzeug Serienreife erlangt. Mit KI-Unterstützung verkürzen sich Entwicklungs- und Produktionszyklen um ein Vielfaches, Innovation wird beschleunigt – und am Ende entstehen so auch bessere Produkte, weil sie effizienter konstruiert werden, präziser arbeiten oder energiesparender im Betrieb sind.
Wie passt das nun zum französischen KI-Konzern? Mistral AI wurde 2023 gegründet und entwickelt große Sprachmodelle (LLM). In Europa hat Mistral bereits die Führungsrolle übernommen, bietet seine Produkte auch als Open Source an, betreibt mehrere Rechenzentren in Europa und gilt daher als ernstzunehmende Konkurrenz zu OpenAI, Google oder Anthropic. In Kombination mit Emmi AI sieht Mistral eine Chance das neue KI-Level zu besetzen und die Transformation von Industrieunternehmen in führender Rolle voranzutreiben und zu begleiten.
Der genaue Verkaufspreis ist geheim, es soll sich um einen dreistelligen Millionenbetrag handeln. Den Zuschlag hat Mistral aber nicht des Geldes wegen erhalten, es gab wohl höhere Angebote. Inhaltlich passe es einfach am besten und außerdem habe Emmi sich bewusst für einen europäischen Partner entschieden.
Die Übernahme ist also auch ein strategisch wichtiger Schritt für Europa in Sachen KI. Bisher dominieren die USA und China die Wahrnehmung zu KI und Zukunftstechnologien. Deals wie diese fördern die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit Europas und stärken die Zuversicht, dass auch in scheinbar besetzten Technologiefeldern neue Märkte und Chancen entstehen können.
Der Standort in Österreich bleibt bestehen und wird damit ein europäischer Hotspot für Künstliche Intelligenz made in Europe. Ein tolles Signal für das Start-up-Ökosystem und den Technologie- und Forschungsstandort Österreich. Entstanden als Spin-off der Johannes Kepler Universität Linz spielt das KI-Unternehmen nun international in der ersten Liga mit.