Im Vordergrund der diesjährigen Sonderausgabe Österreich und Slowenien, die in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftszeitung Finance entstanden ist, stehen Erfolgsstories österreichischer Firmen in Slowenien, aktuelle Investitionen, erfolgreiche Kooperationen und Chancen, die der österreichische Markt für slowenische Unternehmen bietet. Wir präsentieren Start-ups und deren innovative Lösungen und beleuchten Investitionen in die Entwicklung des Tourismus. Der inhaltliche Fokus liegt außerdem auf aktuellen Zukunftsthemen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Weltraumtechnologien und Smart Industry.
Hier geht es zur PDF-Version der Publikation "Avstrija & Slovenija 2025"!
Lesen Sie außerdem das Interview mit dem Direktor von ADVANTAGE AUSTRIA Ljubljana, Wilhelm Nest.
Seit 2020 leitet Wilhelm Nest die Vertretung von ADVANTAGE AUSTRIA für Slowenien und den Kosovo. Gemeinsam mit seinem Team trägt er aktiv zur Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Slowenien bei und fördert den Dialog zwischen den wichtigsten Akteuren beider Länder.
Wie hat sich das slowenische Geschäftsumfeld in den fünf Jahren verändert, seit Sie in Slowenien tätig sind? Was hat sich verbessert, was verschlechtert?
Ich kann schwer glauben, dass seit meiner Ankunft in Slowenien bereits fünf Jahre vergangen sind – die Zeit ist im wahrsten Sinne des Wortes verflogen, was wohl am besten zeigt, wie dynamisch und vielfältig diese Periode war. Ich habe meine Funktion als Leiter von ADVANTAGE AUSTRIA in Slowenien im Oktober 2020 übernommen, kurz vor dem zweiten Lockdown. Es folgte eine anspruchsvolle Zeit, die jedoch die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit mancher Branchen deutlich machte. Trotz der Unsicherheiten konnten viele Unternehmen beweisen, dass sie sich rasch anpassen und neue Geschäftsmodelle entwickeln können – was Chancen für Innovation, internationale Zusammenarbeit und nachhaltiges Wachstum eröffnet.
In den letzten Jahren beobachten wir deutliche Fortschritte in Bereichen wie Biotechnologie, Tourismus, IKT und künstliche Intelligenz – Sektoren, die zur positiven Dynamik der gesamten Wirtschaft beitragen. In anderen Bereichen – insbesondere in der Industrie – ist das Geschäftsumfeld etwas anspruchsvoller geworden. Unternehmen stehen vor höheren steuerlichen und administrativen Belastungen, was den Bedarf an größerer Planbarkeit und günstigeren Rahmenbedingungen unterstreicht. Genau diese Herausforderungen können jedoch als Ausgangspunkt für einen intensiveren Dialog und eine konstruktivere Zusammenarbeit dienen – eines unserer zentralen Ziele.
Wie würden Sie Ihren Beitrag zur Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Slowenien in dieser Zeit einschätzen?
Gemeinsam mit dem erfahrenen Team von ADVANTAGE AUSTRIA Ljubljana organisieren wir jedes Jahr 25 bis 30 Veranstaltungen, die der Vernetzung slowenischer und österreichischer Unternehmen dienen. Darüber hinaus stehen wir in ständigem Dialog mit allen wichtigen Entscheidungsträgern – von Ministerien über Wirtschaftskammern bis hin zu Interessenverbänden – und arbeiten aktiv an Lösungen, die beiden Volkswirtschaften zugutekommen. Es freut mich sehr, dass es uns in dieser Zeit gelungen ist, stabile Brücken der Zusammenarbeit zu bauen, die konkrete Ergebnisse bringen und das gegenseitige Vertrauen stärken.
Welche waren die größten Herausforderungen, denen Sie sich in Slowenien als Leiter der Vertretung stellen mussten, und wie haben Sie diese gemeistert? Welche Projekte oder Initiativen heben Sie als besonders erfolgreich hervor?
Die größten Herausforderungen traten zweifellos dann auf, wenn Investitionen oder gar die Existenz einzelner Unternehmen aufgrund von Gesetzesänderungen gefährdet waren. Gemeinsam mit meinem Team und mit Unterstützung der österreichischen Botschaft ist es uns gelungen, konstruktive Lösungen zu finden und das Vertrauen in das Geschäftsumfeld zu bewahren.
Als besonders erfolgreiche Initiative möchte ich die Konferenz Austria Connect 2023 hervorheben, die wir in der inspirierenden Umgebung von Bled veranstalteten. Das Event war die zentrale regionale Plattform für österreichische Unternehmen aus Südosteuropa und bot ausgezeichnete Möglichkeiten zum Networking, Erfahrungsaustausch und Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen. Die hervorragende Resonanz der Teilnehmenden bestätigte einmal mehr, welch entscheidende Rolle persönliche Kontakte bei der Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit spielen.
Wo sehen Sie noch ungenutzte Potenziale für die Zusammenarbeit mit Slowenien? Welche Wirtschaftssektoren halten Sie für besonders wichtig für die zukünftige Kooperation?
Derzeit liegt unser besonderer Fokus in Slowenien auf Bereichen wie E-Government, Gesundheitswesen, Umweltlösungen, touristische Infrastruktur, Raumfahrttechnologien und kreative Industrien. Österreich wiederum verfügt über starke Kompetenzen in Branchen wie Elektronik, Chemie, Maschinenbau, Biotechnologie, Sicherheitstechnologien und Hochleistungsmaterialien. Gerade an der Schnittstelle dieser Bereiche sehe ich das größte Potenzial für gemeinsame Projekte, Technologietransfers und innovative Partnerschaften. Ich bin überzeugt, dass wir durch eine noch engere Zusammenarbeit auf beiden Seiten einen Mehrwert schaffen können – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im weiteren gesellschaftlichen Kontext.
Wie haben Sie als Ausländer das Geschäfts- und Gesellschaftsumfeld in Slowenien erlebt? Was war Ihnen am fremdesten, was am vertrautesten?
Als Kärntner habe ich mich in Slowenien schnell heimisch gefühlt – Kultur, Humor und Denkweise sind uns sehr ähnlich. Besonders positiv überrascht hat mich, wie sehr die Slowenen Wert auf das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit legen – etwas, das auch in der modernen Welt immer wichtiger wird. Ich bin überzeugt, dass gerade dieser Lebensansatz eine solide Grundlage für eine erfolgreiche und nachhaltige Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern bildet, die auf Vertrauen, Respekt und gemeinsamen Werten beruht. Das inspiriert mich und gibt mir Energie für kommende Herausforderungen und Chancen.