Zusammengefasste Ergebnisse der Umfrage finden Sie im Downloadbereich am Seitenende.
52 Prozent der befragten Unternehmen sind der Ansicht, dass sich die allgemeine wirtschaftliche Situation in Slowenien im Jahr 2025 verschlechtert hat, 43 Prozent sehen keine wesentlichen Veränderungen und lediglich 5 Prozent berichten von einer Verbesserung. Die Ergebnisse spiegeln damit eine insgesamt sehr zurückhaltende Stimmung unter österreichischen Investoren wider.
Gleichzeitig zeigen sich viele Unternehmen mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Performance vergleichsweise zufrieden. Anzahl der Beschäftigten, Umsatz und Investitionen sollen auch im Jahr 2026 auf einem stabilen und soliden Niveau bleiben. Slowenien überzeugt weiterhin durch hochwertige und zuverlässige lokale Zulieferer sowie eine ausgeprägte Qualitätsorientierung. „Die Umfrageergebnisse zeigen klar, dass sich das wirtschaftliche Stimmungsbild eingetrübt hat, die österreichischen Unternehmen in Slowenien jedoch weiterhin resilient und leistungsfähig sind. Das ist ein wichtiges Signal: Das Potenzial ist weiterhin vorhanden – die Rahmenbedingungen müssen diesem jedoch entsprechen“, betont Wilhelm Nest, Direktor von ADVANTAGE AUSTRIA Ljubljana.
Zu den zentralen Herausforderungen zählen aus Sicht der Unternehmen unverändert die ausufernde Bürokratie, die hohe Steuerbelastung, steigende Arbeitskosten sowie ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Diese Faktoren schwächen aus Sicht der Unternehmen zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit Sloweniens als Investitionsstandort. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Investitionsbereitschaft: Der Anteil der Unternehmen, die Slowenien weiterhin als attraktiven Investitionsstandort bewerten, ist auf gerade einmal 62 Prozent gesunken – der niedrigste Wert seit Beginn der Umfrage.
„Ausufernde Bürokratie und steigende Kosten durch Steuern und andere Abgaben bleiben weiterhin die größten Herausforderungen für Unternehmen am slowenischen Markt. Insbesondere administrative und finanzielle Belastungen, die kurzfristig und ohne Einbeziehung der Wirtschaft eingeführt werden, stellen die Unternehmen vor Probleme und schaden Slowenien als Investitionsstandort. Um Slowenien langfristig als attraktiven Standort für österreichische Unternehmen zu sichern, sind wirksame Reformen und Entlastungen notwendig“, so Nest weiter. Zusätzlich erhöhen geopolitische Unsicherheiten die Vorsicht der Unternehmen bei Investitions- und Expansionsentscheidungen.
Gleichzeitig unterstreichen einzelne Unternehmen ihr langfristiges Engagement in Slowenien. Hannes Gürtl, MSc, Geschäftsführer der WIENER STÄDTISCHE Versicherung AG, Niederlassung Ljubljana, erklärt dazu: „Für uns als Versicherung ist der slowenische Markt strategisch wichtig und bietet langfristig großes Potenzial. Deshalb bekennen wir uns klar zu weiterem Engagement und möchten unser bestehendes Geschäft sowohl organisch als auch – wenn sich geeignete Gelegenheiten ergeben – anorganisch weiterentwickeln.“
Genehmigungsverfahren als Investitionsbremse
Ähnliche Erfahrungen aus dem Investitionsalltag schildert auch das Produktionsunternehmen Preis Sevnica, das zur österreichischen Preis Group gehört. Am Standort Sevnica beschäftigt das Unternehmen 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und produziert geschweißte Metallgehäuse für Transformatoren, die eine zentrale Rolle beim Ausbau der europäischen Stromnetze und bei der Energiewende hin zu einer dekarbonisierten Wirtschaft spielen.
„Das Jahr 2025 konnten wir mit einem Umsatz von 46 Millionen Euro und einem Gewinn von 6 Millionen Euro abschließen. Die starke Nachfrage bestätigt das große Marktpotenzial und ist der Grund, warum wir für den Zeitraum 2025 bis 2028 umfangreiche Investitionen in Produktionsflächen und neue Technologien mit höherer Wertschöpfung planen“, erklärt Geschäftsführer Zvonko Vranić.
Als größte Herausforderung nennt er die langen und komplexen Genehmigungsverfahren: „Die Dauer der administrativen Verfahren hat unsere Investitionsvorhaben um nahezu ein Jahr verzögert, wodurch wir für einzelne Kunden geplante Produktionskapazitäten nicht bereitstellen konnten. Eine Beschleunigung der Genehmigungsprozesse wäre entscheidend, um Marktchancen künftig besser nutzen zu können.“
Darüber hinaus weist das Unternehmen auf den zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkräften hin. Da entsprechende Ausbildungsprogramme – etwa für Schlosser oder Schweißer – im formalen Bildungssystem fehlen, hat Preis Sevnica im Jahr 2025 eine eigene Ausbildungswerkstatt eingerichtet. „Für ein nachhaltiges Unternehmenswachstum sind verlässliche und planbare Rahmenbedingungen unerlässlich. Nur so können Investitionen, Personalentwicklung und langfristige Kundenbeziehungen seriös geplant werden“, so Vranić abschließend.
Die Umfrage zeigt zudem, dass österreichische Unternehmen in Slowenien zentrale Zukunftsthemen aktiv vorantreiben. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz gewinnt bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen weiter an Bedeutung, während Nachhaltigkeit fest in den Unternehmensstrategien verankert bleibt.
Österreich weiterhin wichtigster Investor in Slowenien
Österreich zählt seit Jahren zu den bedeutendsten Wirtschafts- und Investitionspartnern Sloweniens. Mit einem Investitionsvolumen von rund 4,8 Milliarden Euro ist Österreich der größte ausländische Investor im Land. Mehr als 1.150 Unternehmen mit österreichischem Mehrheitseigentum sind in Slowenien tätig und leisten in zahlreichen Branchen einen wesentlichen Beitrag zu Beschäftigung, Wertschöpfung und Know-how-Transfer. Die enge wirtschaftliche Verflechtung bildet auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten eine stabile Grundlage für die bilateralen Beziehungen.